Die nicht asphaltierte Straße, die sich von Livorno bis zur Grenze der Maremma von Grosseto
durch das grüne Herz der Etruskerküste zieht, zeigt den Weg für eine wichtige Reise, im
Einklang mit dem sonnigen Charakter dieses Landes.
Sich auf dem Reitweg fortzubewegen, ist eine Erfahrung, die vor allem die Sinne anspricht:
die Costa degli Etruschi, an der es weder Asphalt noch Autos gibt, ist eine privilegierte Welt,
in der man die Zeit nicht komprimieren kann und Geschwindigkeit ein leeres Wort ist.
In der mediterranen Macchia beruhigen sich die salzigen Winde, Büsche und Blätter scheiden
duftende Öle und Harze aus, die die Luft zu Balsam werden lassen. Sich langsam fortbewegen
ist die beste Art, die Umgebung zu genießen, die uns entlang des Reitweges wunderschöne
Ausblicke schenkt.
Ein großer Teil der Strecke zieht sich über die Höhen, mit Blick auf die blaue Küste, auf die
Umrisse der Inseln und gleichzeitig auf die charakteristische Wellen des Hinterlandes.
„Luftige“ Wegstrecken wechseln mit Momenten, in denen man völlig in die Vegetation eintaucht.
Licht und Schatten begleiten Pferd und Reiter in einer Landschaft, die im Abwechseln von
hellen, lichten Feldern und dem erfrischenden und geschützten Herz uralter
Steineichenwälder zum Kunstwerk wird.
Schotterstraßen und Wanderwege überqueren Flüsse und entdecken Naturreservate und
historische Ortschaften. Der Trasse des Reitweges gelingt es, zahlreiche Aspekte der Costa
degli Etruschi zusammenzufassen. Manchmal scheint man weit entfernt von der Welt der
Menschen in einer unbestimmten Zeit zu reiten; aber in Wirklichkeit sind menschliche
Siedlungen in dieser Ecke der Toskana immer nur wenige Schritte entfernt. Man braucht nur
kurz vom Weg abzuweichen, um sich in den edlen Steinbauten mittelalterlicher Ortschaften
wieder zu finden, in denen das Pressen der Oliven und die Weinlese zu den alljährlichen
Ritualen gehören. Und so kann man auf dieser Reise Momente genießen, die es zu erleben
gilt: vom einfachen Imbiss mit Schafskäse und geprüften Weinen zu wahrhaft kulinarischen
Ruhepausen.
Es handelt sich also um eine sehr abwechslungsreiche Strecke, die die unterschiedlichen
Aspekte eines harmonischen Landstriches zeigt, der in den Gemälden der Macchiaioli gut
wiedergegeben ist und in dem sich die natürliche Landschaft mit den menschlichen Eingriffen
verträgt. Die menschlichen Spuren sind leicht erkennbar in diesem von Weinbergen,
Olivenhainen und sich weit ausdehnenden Getreidefeldern geprägten Landstrich; aber vor
allem erkennt man sie in den Steinbauten.
Das beginnt mit den klassizistischen Formen des Leopoldinischen Aquädukts aus dem 19.
Jh., die im dichten Wald von Colognole besonders faszinierend wirken. Dieses wichtige Werk
des Wasserbaus integriert sich hervorragend, bereichert sogar eine Naturlandschaft von
außergewöhnlichem Reiz. Die spröde und unberührte Natur der Livorneser Berge findet ihren
authentischsten Ausdruck in den Ortschaften am Reitweg: Gabbro, Nibbiaia und Castelnuovo
Misericordia scheinen das „weit entfernte“ Livorno zu ignorieren, leben die Einsamkeit von
Bergdörfern und atmen Meeresluft.
Die mittelalterliche Burg von Rosignano Marittimo ist ein Anhaltspunkt, der Pferd und Reiter
ins Hinterland bis zur grünen Lunge der Macchia della Magogna begleitet, einem
Schutzgebiet, in dem man alle Aspekte einer unberührten, wilden Landschaft erleben kann.
Die Weinberge des Montescudaio doc sind nur der Auftakt zu einem Crescendo im Zeichen
wahrhaft blaublütigen Weines, denn danach zieht sich der Reitweg durch das renommierte
Anbaugebiet von Bolgheri, wo man Sassicaia, Ornellaia und andere edle Weine produziert.
Bei Castagneto Carducci kommt man in die dichte Macchia zurück und dringt in die
Atmosphäre der Colline Metallifere (Metallhaltige Hügel) ein. Kurze Zeit atmet man keine
Meeresluft mehr; aber das dauert nur so lange, bis man sich dann an den sanften Hängen des
weiten Corniatals bewegt. Hier ist das Mittelalter in den Mauern von Suvereto und Campiglia
Marittima stehen geblieben, wo man in angenehmer Gesellschaft mit geprüften Weinen des
Val di Cornia speist.
Der Reitweg sieht das Meer wieder und kommt in der Stille des Parkes von Montioni an die
Grenze zu den Reitwegen der Maremma von Grosseto.
Fotos: Fotoarchiv APT Costa degli Etruschi, Enrico Caracciolo, Roberto Branchetti.
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